Flugtönende Repliken 2017

Fluglärmfakten statt Betreibermärchen: Die Bürgerinitiativen für Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein (BAW) setzen sich bundesländerübergreifend für eine nachhaltige Reduzierung der luftverkehrsbedingten Belastungen (Fluglärm und -dreck) – verursacht durch den Betrieb des innerstädtisch gelegenen Hamburger Verkehrsflughafens „Helmut Schmidt“ – ein. Sie übernehmen damit überparteilich und unabhängig Kontrollfunktionen, die im Grunde durch die zuständigen Fachverwaltungen (BWVI & BUE) hauptamtlich zu leisten sind; jedoch von diesen (bisher) nur unzureichend erbracht werden. Achtung: Fluglärm ist aktiv zu bekämpfen, nicht nur passiv zu verwalten! Und: Nicht die sich zu Recht beschwerenden Bürgerinnen und Bürger stellen das Problem dar, sondern der überbordende Fluglärm und die permanenten Regelverstöße.

Mit den „Flugtönenden Repliken 2017“ werden die gravierenden Missstände und die dramatischen Belastungsfehlentwicklungen im vergangenen Jahr aufgezeigt. Sie stellen ein wichtiges Korrektiv gegenüber den bestehenden, zumeist luftverkehrsnahen medialen Berichterstattungen dar. Ehrenamtlich setzen sich in diesem Zusammenhang zahlreiche Bürgerinnen und Bürger für einen tragfähigen Interessensausgleich ein; Monat für Monat: Flugtönende Repliken 2017 weiterlesen

Kein Quantum Ruhe

Fluglärmschutzkommissionen (FLSK) sind nach § 32b Luftverkehrsgesetz (LuftVG) an jedem deutschen Verkehrsflughafen vorgeschrieben, welcher dem Fluglinienverkehr angeschlossen ist und für den Lärmschutzbereiche nach dem Gesetz zum Schutz gegen Fluglärm festgesetzt sind.

Aufgabe der Fluglärmschutzkommissionen ist, die jeweils für einen Verkehrsflughafen zuständige Genehmigungsbehörde (in Hamburg ist dies die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation – BWVI) sowie die für die Flugsicherung aktuell zuständige Stelle (Deutsche Flugsicherung GmbH – DFS) bei Maßnahmen zum Schutz gegen Fluglärm und gegen Luftverunreinigungen durch Luftfahrzeuge fachlich zu beraten. Die FLSK wirkt beispielsweise an der Festlegung von Abflugstrecken mit, die auf Vorschlag der DFS nach Anhörung der FLSK vom Luftfahrtbundesamt als Verordnung erlassen werden oder auch bei Ergreifung von notwendigen Maßnahmen zur Eindämmung von Regelverstößen (z.B. gegen örtliche Nachtflugbeschränkungen), verursacht durch Fluggesellschaften aus Fahrlässigkeit oder zur Gewinnmaximierung.

Die FLSK hat ein Vorschlagsrecht für Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor Fluglärm oder zur Verringerung der Luftverunreinigungen durch Luftfahrzeuge. Falls die Genehmigungsbehörde bzw. DFS den Vorschlägen / Empfehlungen nicht folgen, müssen sie dies der Kommission unter Angabe von Gründen mitteilen. Für den innerstädtisch gelegenen Hamburger Verkehrsflughafen „Helmut Schmidt“ sind aktuell folgende Vertreter*innen in die FLSK als stimmberechtigte (ehrenamtliche) Mitglieder durch die BWVI berufen:

Hamburger Interessensvertretung (n = 12):

  • Bezirk Hamburg-Nord mit vier Personen (inkl. Vorsitz)
  • Bezirk Eimsbüttel mit vier Personen
  • Bezirk Wandsbek mit einer Person
  • Bezirk Altona mit einer Person
  • Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen mit einer Person
  • Behörde für Umwelt und Energie mit einer Person

Interessensvertretung Schleswig-Holsteins (n = 8):

  • Stadt Norderstedt mit einer Person
  • Gemeinde Hasloh mit einer Person
  • Stadt Quickborn mit einer Person
  • Kreis Segeberg mit einer Person
  • Kreis Pinneberg mit einer Person
  • Kreis Stormarn mit einer Person
  • Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie mit einer Person
  • Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume mit einer Person

Interessensvertretung der Luftverkehrswirtschaft (n = 3):

  • Flughafen Hamburg GmbH mit einer Person
  • Deutsche Lufthansa AG mit einer Person
  • TUIfly.com mit einer Person

Luftverkehrslobby (n = 1):

  • Handelskammer Hamburg mit einer Person

Für die Vertretung der Belange der vom Fluglärm und Flugdreck betroffenen Bürgerinnen und Bürger (n = 3):

  • Bundesvereinigung gegen Fluglärm (BVF) mit drei Personen

Zusätzlich zu den 27 stimmberechtigten Mitgliedern (w/i/m) nehmen noch die Fluglärmschutzbeauftragte (FLSB), die FLSK-Geschäftsführung, Vertreter*innen der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation und der Deutschen Flugsicherung GmbH sowie regelmäßige und temporäre Gäste an den Sitzungen teil. Bisher hat die FLSK in ihrer 47-jährigen Geschichte 228 Mal getagt. Die FLSK-Sitzungsprotokolle werden regelmäßig im Internet veröffentlicht.

Abb.: Mehr Flugpassagiere bedeuten zwangsläufig mehr Fluglärm und mehr Flugdreck – wer anderes behauptet, lügt. In den Jahren 2013 bis 2016 sind die Passagiertransportmengen um 20,2 % gestiegen. Damit einhergehend nahm die Anzahl an gewerblichen Flugbewegungen (d.h. Linien- und Touristikflüge) um 12,2 % zu. Gleichzeitig nahm die Ausbreitung des Fluglärmteppichs (d.h. die räumliche Ausdehnung der 62 dB(A)-Fluglärm-Dauerschallisophone) um 12,9 % zu, die die tatsächlichen Lärmverhältnisse besser abbildende Fluglärmsumme (d.h. die Summe der Einzelschallereignisse der zwölf offiziellen Fluglärm-Messstellen) sogar um 22,9 %. Aber auch die flugverkehrsbedingte NOx-Belastung ist in diesem Zeitraum um 9,9 % gestiegen. Vgl. NoFlyHAM-Blogbeiträge „Objektiver Lärmzuwachs“, „Unverhältnismäßig“ und „Luftverschmutzung, nur so zum Spaß

Am 04. Dezember 2017 wurde durch den Vorsitzenden der FLSK Leiter des Bezirksamtes Hamburg-Nord, Herrn Rösler, folgender Beschluss der FLSK zur Eindämmung der nächtlich verspäteten Starts und Landungen außerhalb der offiziellen Betriebszeit von 23 Uhr veröffentlicht: Fluglärmschutzkommission empfiehlt Änderung der Verspätungsregelung – Die Fluglärmschutzkommission (FLSK) für den Flughafen Hamburg hat in ihrer 228. Sitzung am 01.12.2017 mehrheitlich eine Empfehlung zur Veränderung der geltenden Verspätungsregelung beschlossen. Wie der Kommissionsvorsitzende, Bezirksamtsleiter Harald Rösler, mitteilte, empfahl die Kommission nach ausführlicher Diskussion, die aktuelle Verspätungsregelung für den Hamburger Airport zu ändern. Die Änderung zielt darauf ab, zukünftig keine (pauschale) Verspätungsregelung für Starts nach 23:00 Uhr und für Landungen nach 23:30 Uhr zuzulassen. Das Luftfahrthandbuch sollte dahingehend geändert werden, dass bei Landungen im planmäßigen Fluglinien- und regelmäßigen Pauschalreiseverkehr mit planmäßigen Ankunftszeiten vor 23:00 Uhr, bei nachweisbar unvermeidbaren Verspätungen Landungen bis 23:30 Uhr (bisher 24:00 Uhr) zulässig sein können. Die Gründe für die einzelnen Verspätungen nach 23:00 Uhr und die Namen der jeweiligen Piloten sind der Fluglärmschutzbeauftragten spätestens am fünften auf die Verspätung folgenden Werktag schriftlich und glaubhaft darzulegen. Hintergrund der Kommissionsempfehlung war die seit geraumer Zeit besorgniserregende Zunahme verspäteter Starts und Landungen und die damit verbundenen Beeinträchtigungen der Nachtruhe

Sofort stellt sich die Frage, ob diese vorgeschlagene Neuregelung in der Lage ist, das bestehende Verspätungsdebakel wirksam einzudämmen. Hierzu folgende Ableitung: Bis zum Jahresende ist am „Helmut Schmidt-Airport“ mit insgesamt ca. 1.100 nächtlich verspäteten Starts und Landungen außerhalb der offiziellen Betriebszeit von 23 Uhr zu rechnen. Davon entfallen ca. 315 der Flugbewegungen auf Starts nach 23 Uhr. Diese würden komplett unter die empfohlene FLSK-Neuregelung fallen, d.h. sie bedürften zukünftig einer Einzelfreigabe. Bei den Landungen nach 23 Uhr sieht dies hingegen anders aus. Von den ca. 775 nächtlich verspäteten Landungen nach 23 Uhr entfallen lediglich 25 % auf den Zeitraum nach 23:30 Uhr; entsprechend ca. 195 Flugbewegungen. Nur für diese müssten zukünftig Einzelfreigaben eingeholt werden, für den großen Rest hingegen bliebe alles beim Alten, d.h. der pauschalen Genehmigungsfiktion. In Summe würde die Neuregelung daher lediglich ca. 510 gewerbliche Linien- und Touristikflüge betreffen. Bei einer zu erwartenden Gesamtanzahl an Linien- und Touristikflügen im Jahr 2017 von ca. 147.500 Flugbewegungen beträfe der FLSK-Vorschlag demnach nur 0,3 % aller entsprechenden Flugbewegungen. Ein äußerst moderater (wirtschaftshöriger) Vorschlag, der daher auch nur sehr bedingt Anklang bei den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern fand. Ganz anders fiel dagegen die Reaktion der Luftverkehrslobbyisten aus. Die Bergedorfer Zeitung vom 05. Dezember 2017 arbeitet die Konfliktlinien in diesem Zusammenhang gut heraus:

„Die Empfehlung unterstützt mich in meiner Arbeit“, sagte die in der Umweltbehörde arbeitende Fluglärmschutzbeauftragte Gudrun Pieroh-Joußen. „Vor allem die immer häufigeren verspäteten Starts nach 23 Uhr sorgen bei uns für eine Vielzahl an Beschwerden.“ Pieroh-Joußen verwies auf eine Erhöhung der Gebühren 2015 und 2017 für verspätete Flüge und eine 2016 gestartete Pünktlichkeitsoffensive der Stadt mit dem Flughafen und fünf großen Airlines. „All das war bislang nicht erfolgreich“, sagte Pieroh-Joußen. Allerdings hätten die Fluglinien nicht gleichermaßen ein Problem mit der Pünktlichkeit. „Einige Airlines strapazieren die Verspätungsregelung stark – bei den Starts betrifft das insbesondere Billigflieger“, sagte die Fluglärmschutzbeauftragte.

Während etwa Manfred Braasch vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) von einem „halben Schritt in die richtige Richtung“ sprach und ein Nachtflugverbot schon ab 22 Uhr forderte, hieß es von der Handelskammer, eine Änderung der Regelung berge „große wirtschaftliche Risiken“ für Hamburg. Das sieht auch Flughafenchef Michael Eggenschwiler so: „Jede Einschränkung hat negative Auswirkungen für die Erreichbarkeit der Metropole sowie für die Mobilität und Arbeitsplätze der Menschen in der Region“, sagte er. Die zuständige Wirtschaftsbehörde teilte mit, eine Änderung der Regelung sei „rechtlich nicht angezeigt“.

Die Empfehlungen der FLSK, das Nachtflugverbot (gemeint ist die bestehende, äußerst lockere Nachtflugbeschränkung) zu verschärfen, haben am Montag für viele Reaktionen von Befürwortern und Gegnern der Maßnahmen gesorgt. Landungen um 30 Minuten auf 23.30 Uhr vorzuziehen und Starts nach 23 Uhr nicht mehr zuzulassen, sei „bloße Makulatur“, sagte Martin Mosel, Sprecher der Bürgerinitiativen für Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein. „Die Nachtruhe beginnt um 22 Uhr. Die Verkürzung der Verspätungsregelung ist unzureichend.“ Den Betroffenen nütze das wenig: „Weiterhin werden ihnen wichtige Schlaf- und Erholungszeiten vorenthalten und gesundheitliche Belastungen aufgebürdet“, sagte Mosel. Das sieht auch der BUND so. „Derzeit landen und starten alle drei Minuten Flugzeuge zwischen 22 und 23 Uhr – ein unerträglicher Zustand für Zigtausende Anwohner“, sagte Landesgeschäftsführer Manfred Braasch.

Von einer „unwürdigen Schacherei auf Kosten der Betroffenen“, sprach Stephan Jersch von der Linken-Fraktion. Die Grünen teilten mit, „die Verspätungssituation nach 23 Uhr sei sehr unbefriedigend und nicht hinnehmbar“. Die Fluggesellschaften sollten durch eine verbesserte Planung in Zukunft Verspätungen stärker vermeiden, sagte Grünen-Fraktionschef Anjes Tjarks. Eine Änderung der Verspätungsregelung müsse „in Betracht gezogen werden“. Von „wichtigen Hinweisen“ der Kommission sprach SPD-Fraktionschef Andreas Dressel. Auch er hält die Verspätungen für „inakzeptabel“. Allerdings: „Es gibt eine Vielzahl von Interessen, die wir unter einen Hut bringen müssen. Wir streben einen Ausgleich der Interessen an.“

Während Staatsrat Andreas Rieckhof (SPD) für die zuständige Wirtschaftsbehörde mitteilte, die aktuelle Verspätungsregelung sei bereits „Ausdruck eines angemessenen Interessensausgleichs zwischen den verkehrlichen Belangen und dem notwendigen Schutz der Anwohner“, befürchten Wirtschaftsvertreter eine Verschiebung, die Hamburg ökonomisch schaden könnte. „Bei allem Verständnis für die vom Fluglärm Betroffenen läuft Hamburg jetzt Gefahr, in die Provinzialität zurückzufallen“, sagte Brigitte Nolte, Geschäftsführerin des Handelsverbands Nord. „Wir müssen weiterhin attraktiv für Touristen bleiben“, sagte Nolte. In dasselbe Lobbyhorn posaunt Uli Wachholtz (Präsident der Unternehmensverbände in Hamburg und Schleswig-Holstein (UV-Nord)): „So sehr verspätete Starts und Landungen die Nachtruhe Einzelner beeinträchtigen können, so wenig hat offenbar die Kommission die wirtschaftlichen Auswirkungen im Blick“ (SHZ, 04.12.17)

Am 15. Dezember (NDR, 15.12.17) legt dann der Chef der kommerziellen Flughafenbetreibergesellschaft (Flughafen Hamburg GmbH – FHG), Michael Eggenschwiler, noch eine Schippe Panikmache drauf: Angeblich drohten bei Umsetzung der FLSK-Empfehlungen Umsatzeinbußen von 20 Mio. Euro. Zusätzlich seien angeblich 200 Arbeitsplätze gefährdet. Wie bitte? – Eine Schutzmaßnahme für die Bevölkerung vor unzumutbarem Fluglärm, die lediglich 0,3 % des Luftverkehrsaufkommens im Jahr betrifft soll eine derart weitreichende wirtschaftliche Auswirkung bedingen? Völlig unglaubwürdig! Der Umsatz der FHG betrug im Jahr 2016 ca. 300 Mio. Euro. Die von der FHG bedrohlich ausgemalten 20 Mio. Euro Mindereinnahmen würden demnach knapp 7 % Umsatzeinbuße ausmachen. Dies entspräche einem „monetären Hebel“ um den Faktor 22. Selbst einem eindimensionalen Luftverkehrslobbyisten muss klar werden, dass ein derart konstruiertes Bedrohungsszenario blanker Humbug ist! Zumal es im Kern bei der empfohlenen Neuregelung lediglich darum geht, die derzeit bestehende (und überhäufig missbräuchlich ausgenutzte) pauschale Genehmigungsfiktion in nachvollziehbare Einzelgenehmigungen umzuwandeln. Mitnichten wird am bestehenden Betriebszeitende von 23 Uhr gerüttelt, was jedoch notwendig wäre, um einen hinreichenden Interessensausgleich zu schaffen. Ob sich zudem durch die empfohlene Neuregelung tatsächlich eine (deutliche) Reduzierung der nächtlich verspäteten Starts und Landungen nach 23 Uhr einstellen würde, ist offen. Zumindest wird auch zukünftig bei nachgewiesenermaßen unvermeidbaren Verspätungsgründen ein Start bzw. eine Landung nach 23 Uhr per Einzelgenehmigung möglich sein.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Hamburgische Bürgerschaft hat den Reformationsbedarf hinsichtlich der Schutzmaßnahmen der Bevölkerung bereits vor Jahren erkannt und sich mit dem jeweils einvernehmlich (d.h. parteiübergreifend) beschlossenen 10-Punkte-Plan und 16-Punkte-Plan deutlich dahingehend positioniert, dass die Belastungen für die Bürgerinnen und Bürger – verursacht durch den Betrieb des innerstädtisch gelegenen Hamburger Verkehrsflughafens – wesentlich zu reduzieren sind. Die bisherigen Maßnahmen (Pünktlichkeitsoffensive und Entgeltnovellierung) greifen nachgewiesenermaßen nicht. Den sehr moderaten Vorschlag der FLSK hat die Genehmigungsbehörde brüsk abgelehnt. Es wird daher spannend, mit welcher „weißen Salbe“ im Jahr 2018 die vom Fluglärm und Flugdreck betroffenen Bürgerinnen und Bürger von den Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern in Verwaltung und Politik vertröstet (hingehalten) werden sollen …

©Photo. R.M.N. / R.-G. OjŽda

Abb.: „Placebo domino in regione vivorum“ aus Les Très Riches Heures du Duc de Berry; 15. Jahrhundert – Im Lande der Lebenden, werde ich dem Herrn gefallen. Anstatt die Ursachen eines Übels wirksam zu bekämpfen, werden mit scheinheiligen, unechten Ersatzleistungen (Placebos) lediglich Symptome (kurzfristig) überdeckt

P.S.: Die kategorische Verweigerungshaltung der FHG und der BWVI selbst minimale Kapazitätseinschränkungen (Quantensprünge) zum Schutz der Bevölkerung vor vermeidbarem – und damit verbunden unzumutbarem – Fluglärm anzunehmen, entzieht jegliche Dialoggrundlage; sowohl bzgl. der Zusammenarbeit in der Fluglärmschutzkommission als auch in der Allianz für Fluglärmschutz. Eins jedoch ist gewiss: Die bisher seitens der Luftverkehrslobbyisten praktizierte „Leugnen-Verharmlosen-Ablenken-Taktik“ wird auf Dauer scheitern.

Mailand oder Madrid? – Hauptsache Italien!

Auf die Große Anfrage der Partei „DIE LINKE“ (FHH-Drs. 21/8526) zum Thema „Nachhaltiger Tourismus“ vom 25. April 2017 antwortet der regierende Hamburger rot-grüne Senat, dass „Nachhaltigkeit“ sowohl unter wirtschaftlichen als auch ökologischen und sozialen Aspekten zu verstehen ist – so weit so gut.

Im Zusammenhang mit dem kommerziellen Betrieb des „Helmut Schmidt-Airports“ weist der Senat darauf hin, dass 2/3 der Flugreisen privater Natur sind, d.h. in der Freizeit (und weit überwiegend mit Billigfliegern) vollzogen werden. Hierbei spiele das „wachsende Mobilitätsbedürfnis“ (angeblich) eine entscheidende Rolle.

Mobilitätsbedürfnis?

Ein Bedürfnis hat eine intrinsische (d.h. sich selbst generierende) Relevanz. Beispiele hierfür sind Hunger, Durst und Müdigkeit. Hieraus entstehen die Bedürfnisse zu essen, zu trinken und zu schlafen. Im Gegensatz dazu ist das bloße Interesse an etwas zu sehen. Dieses wird gesteuert durch eine individuelle Veranlagung in Kombination mit gesellschaftlicher Prägung und maßgeblich gelenkt durch äußere Stimulationen (z.B. Werbung, Preisgestaltung).

Es ist daher keinwachsendes Mobilitätsbedürfnis“, sondern das preisgetriebene Mobilitätsinteresse einer zunehmend eventorientierten Gesellschaft, welches am „Helmut Schmidt-Airport“ kurzfristig befriedigt wird. Dies stellt einen entscheidenden Unterschied dar – insbesondere bei der Bewertung im Hinblick auf die Annahme der BUND-Volkspetition zur Einführung eines echten Nachtflugverbotes (werktags von 22 Uhr bis 6 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 22 Uhr bis 8 Uhr). Mailand oder Madrid? – Hauptsache Italien! weiterlesen

Wer zu spät fliegt …

Wer als Linien- und Touristikfluggesellschaft am innerstädtisch gelegenen Hamburger Verkehrsflughafen „Helmut Schmidt“ außerhalb der offiziellen Betriebszeit nach 23 Uhr mit seinen Flugzeugen noch starten oder landen möchte, braucht nur etwas Geld. Dank einer mehr als großzügigen Verspätungsregelung darf bei (angeblich) nachweisbar unvermeidbaren Verspätungen (derzeit) noch bis 23:59 Uhr weiter gestartet und gelandet werden. Den „Nachweis“ können die Fluggesellschaften selbst erbringen, auch mit mehrwöchiger Verzögerung. Zumeist wird eine Störung im Betriebsablauf, die zu einer Verzögerung in der Tagesrotation geführt hat – welche dann zeitlich nicht mehr aufgeholt werden konnte – als Ausrede „Begründung“ vorgetragen. Eine Kontrolle des Wahrheitsgehaltes der Angaben ist für die zuständige Aufsichtsbehörde (BUE) faktisch unmöglich … Wer zu spät fliegt … weiterlesen

Richtigstellung

Am 10. Oktober 2017 veröffentlichte der Arbeitskreis „Luftverkehr“ des BUND-Landesverbandes Hamburg seine Auswertungen über die Belastungsentwicklung, verursacht durch den Betrieb des innerstädtisch gelegenen Verkehrsflughafens „Helmut Schmidt“. Kernpunkte stellen die quantitativen und qualitativen Ergebnisse zur Missachtung des offiziellen Betriebsendes von 23 Uhr dar: Von insgesamt 273 Nächten im Zeitraum Januar bis September 2017 fanden lediglich in 48 Nächten keine Flugbewegungen – verursacht durch Linien- und Touristikflieger – statt. Dies entspricht einer Einhaltungsquote der Nachtflugbeschränkungen von nur 17,6 %. Anders ausgedrückt: In den ersten neun Monaten dieses Jahres wurden in acht von zehn Nächten die Nachtflugbeschränkungen umgangen. Alarmierend ist, dass es in den vergangenen drei Monaten nur in zwei Nächten (4. Juli und 4. September) keine Starts und Landungen nach 23 Uhr gegeben hat! Das Regel- / Ausnahmeverhältnis steht (weiterhin) Kopf. Richtigstellung weiterlesen

Gesellschaft mit beschränkter Haltung

Der Himmel fliegt in Fetzen. Das Herz spannt sich an, wird nervös, verzweifelt. Wird das denn nie aufhören? Durch das abendliche Schlafzimmerfenster sieht man die Lichter der landenden Flugzeuge, hintereinander aufgereiht wie auf einer Autobahn, die den Horizont quert. Unten der verlassene alte Garten. Das Dröhnen wird immer nur für einen kurzen Moment unterbrochen; denn die Flugzeuge kommen im Minutentakt. Weltkriegsdröhnen, ein Albtraum“, beschreibt ein eindringlicher Artikel der taz vom 21.07.17 die beklemmende Lebenswirklichkeit der Bewohner (w/m) in den Ein- und Abflugschneisen der großen deutschen Verkehrsflughäfen.

Für die vom Fluglärm und Flugdreck betroffenen Bürgerinnen und Bürger ist es schwer, angemessen auszudrücken, was der permanente Raub der Stille bedeutet; insbesondere gegenüber denjenigen, die häufig gerne billig hin und her fliegen, jedoch selbst nicht unter der zumeist sinnarmen privaten Vielfliegerei zu leiden haben. Lebensräume werden nicht nur durch Beton und Chemikalien zerstört, sondern auch durch Lärm. Fluglärm raubt uns gesunde Lebensjahre, Fluglärm lässt unsere Kinder schlechter lernen, Fluglärm mindert den Wert unseres Eigentums. Fluglärm spaltet die Gesellschaft in die Masse der Nutznießer und die Minderheit der Leidtragenden. Gesellschaft mit beschränkter Haltung weiterlesen

Schwarze Schafe

Fluglärm raubt gesunde Lebensjahre. Insbesondere nächtlicher Fluglärm schadet Menschen. Aus diesem Grund hat die damalige Hamburger Behörde für Wirtschaft und Verkehr bereits bei der Erteilung der Betriebsgenehmigung an die Hamburger Flughafen-Verwaltung GmbH am 21. August 1967 betriebliche Einschränkungen und Anordnungen zum Schutz der Bevölkerung festgeschrieben. Demnach gelten die im Luftfahrthandbuch für die Bundesrepublik Deutschland (AIP) aufgeführten örtlichen Flugbeschränkungen. Diese lauten im Hinblick auf das tägliche Betriebsende wie folgt: Starts und Landungen sind in der Zeit von 23 Uhr bis 6 Uhr unzulässig. Lediglich bei nachweisbar unvermeidbaren Verspätungen von Linien- und Touristikfliegern gilt eine Ausnahmegenehmigung von den Nachtflugbeschränkungen bis spätestens 24 Uhr als erteilt.

Während die aufsichtführende Fachbehörde (BUE) der Auffassung ist, dass „der räumlichen Lage des Flughafens bereits durch einschneidende Nachtflugbeschränkungen (im Vergleich zu den meisten anderen Flughäfen) sowie eine restriktive Handhabung von Ausnahmegenehmigungen Rechnung getragen wird“, zeigen die Flugspurenauswertungen des Deutschen Fluglärmdienstes (DFLD e.V.), dass das vorgegebene Betriebsende immer häufiger missachtet wird (vgl. NoFlyHAM-Beitrag „So selten wie möglich“). Es stellt sich daher die Frage, wer die schwarzen Schafe unter den ca. 60 am Hamburger Verkehrsflughafen „Helmut Schmidt“ tätigen Fluggesellschaften sind, denen das Wohlbefinden der Bürgerinnen und Bürger in den An- und Abflugschneisen derart wenig bedeutet, dass sie durch ihre (unzureichende) Flugplanung die nächtlichen Verspätungen mindestens billigend in Kauf nehmen, wenn nicht sogar vorsätzlich (zur eigenen Gewinnmaximierung) herbeiführen? Schwarze Schafe weiterlesen

Appell an die Hamburgische Bürgerschaft

Anfang des 16. Jahrhunderts bezeichnete Niccolò Machiavelli Politik als die Summe der Mittel, die nötig sind, um an die Macht zu kommen, sich an dieser zu halten und davon den nützlichsten (Eigen-) Gebrauch zu machen. Heutzutage bezeichnet Politik die Regelung von Angelegenheiten einer Gesellschaft durch auf tradierte Normen und Gebräuche basierende, transparent herbeigeführte und verbindlich umgesetzte Entscheidungen. Im engeren Sinne bezeichnet Politik die Strukturen, Prozesse und Inhalte zur Steuerung politischer Einheiten innerhalb einer Gemeinschaft sowie zwischen mehreren sozialen Gruppen. Politisches Handeln ist auf Entscheidungen und Steuerungsmechanismen ausgerichtet, die wertebildend sind und das gedeihliche Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen Interessenslagen regeln. Soweit zur Politiklehre.

Maßgeblich für das Ansehen von politischen Entscheidungsträgern (w/m) in der Bevölkerung ist, dass diese glaubhaft sind, d.h. zu ihrem Wort stehen. Kurz gesagt: Die Reputation der Politikerinnen und Politiker hängt (auch) davon ab, wie die von ihnen getragenen Beschlüsse in der Praxis (Realität) umgesetzt werden. Appell an die Hamburgische Bürgerschaft weiterlesen

„So selten wir möglich …“

Ende April 2016 berichtete das Hamburger Abendblatt (HA) euphorisch, dass die Flughafen Hamburg GmbH (FHG) in Verbindung mit Air Berlin, Condor, easyJet, Eurowings/Germanwings sowie Lufthansa eine sogenannte „Pünktlichkeitsoffensive“ startet. Mit dieser freiwilligen Selbstverpflichtung (Anmerkung: die bloße Einhaltung des geltenden Rechts würde reichen) erklärten der Flughafenbetreiber und die teilnehmenden Fluggesellschaften, „so selten wie möglich“ zu spät zu kommen, d.h. nach 23 Uhr in Hamburg zu starten oder zu landen. Damit sei der Luftfahrtstandort Hamburg bundesweit Vorreiter für die Zusammenarbeit von Flughafen und Fluggesellschaften bei der Reduzierung von Verspätungen, hieß es seinerzeit vollmundig.

Bereits mehrfach musste in diesem Jahr über die mangelhafte bis ungenügende Umsetzung der „Pünktlichkeitsdefensiveoffensive“ im NoFlyHAM-Blog berichtet werden: „So selten wir möglich …“ weiterlesen

Regelkunde

Preisfrage: Aus welchem Jahr stammen folgende Vorgaben zum Schutz der Bevölkerung vor unzumutbarem Fluglärm am innerstädtisch gelegenen Verkehrsflughafen in Hamburg-Fuhlsbüttel?

  • Vermeidung besonders hoher Spitzenbelastungen durch zweckmäßige Flugplangestaltung
  • Festlegung bevorzugter Start- und Landebahnen
  • Erhöhung des Abflug- bzw. Einflugwinkels
  • Heraufsetzung der Mindestflughöhen
  • Beschränkungen des Flughafens für bestimmte, besonders laute Flugzeugtypen

A)  2013        B)  1971        C)  1959 Regelkunde weiterlesen